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Der Traditionsausschuss - Wahrer des Brauchtums - |
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Die Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit Grundsatzfragen des fastnachtlichen Brauchgeschehens. Hierbei geht es vordringlich um die Bewahrung von landsmann- schaftlichen Eigenarten und lokalen Besonderheiten innerhalb der Regionalver- bände des BDK. Heute ist eine der wichigsten Aufgaben auf Auswüchse und Fehlentwicklungen in der fastnachtlichen bzw. Karnevalistischen Praxis hinzuweisen und sie nach Möglichkeit zu verhindern. |
Der Traditionsausschuss | nach Oben | |
Im Bund Deutscher Karneval e. V. haben sich zur Zeit ca. 5.000 Karnevals-, Fastnachts- und Faschingsverei-ne, -gesellschaften und -zünfte zu einer bundesweiten Kulturorganisation zusammengeschlossen. Wie die Bezeichnungen schon ausdrücken, ist das Selbstverständnis der einzelnen Vereine landsmannschaftlich unter-schiedlich ausgeprägt. Diese regionalen Eigenarten gilt es zu bewahren und zu fördern. Dem wurde mit der Gründung der 35 Regionalverbände im BDK Rechnung getragen. In ihnen wird die Vielfalt des fastnachtli-chen Brauchtums regional unterschiedlich bewahrt, gepflegt und gefördert. Um den unterschiedlichen Fragestellungen gerecht zu werden, wurden deshalb im BDK zwei Ausschüsse eingerichtet. Der Brauchtumsausschuss befasst sich hauptsächlich mit der alemannisch geprägten Fastnacht, während der Traditionsausschuss sich vorwiegend mit dem rheinisch geprägten Karneval befasst, aber auch andere Traditionen berücksichtigt. Die im Zuge der deutschen Wiedervereinigung neu hinzugekommenen Verbände in den „neuen Bundeslän-dern“ werden bezüglich ihrer Traditionen und deren Entwicklung vom Traditionsausschuss des BDK betreut. | ||
Der Traditionsausschuss -Hüter, Pfleger und Entwickler der Traditionen im rheinisch geprägten Karneval,seine Aufgabenstellungen und Aktivitäten | nach Oben | |
Die Vielfalt und der große Facettenreichtum des Karnevals macht unser Brauchtum zu einem alljährlich von vielen Millionen Menschen in unserem Land gern gefeierten Volksfest. Seit vielen Jahrhunderten gehört die Fastnacht, der Fasteloovend zu den größten, wiederkehrenden friedlichen „Volksbewegungen“ in Deutschland und Europa, ja in der ganzen Welt. Dieses im wahrsten Sinne traditionelle Jahresfest gilt es zu erhalten, zu pflegen und zeitgemäß weiter zu entwickeln. Die „Ethik-Charta“ des BDK gilt daher auch als Basis für die Arbeit des Traditionsausschusses. Althergebrachte Traditionen zu erhalten bedeutet nicht, an alten Zöpfen krampfhaft festzuhalten, sondern sie in zeitgemäßer Form der heute immer anspruchsvolleren Bevölkerung zu präsentieren. Diesen Spagat zwi-schen Altem und Neuem aufzuzeigen und Wege zu weisen, wie dies gelingen kann, gehört zu den Aufgaben des Ausschusses. Dabei soll und muss darauf geachtet werden, dass keine, vermeintlich moderne Elemente unser Brauchtum verfälschen oder es gar zu einem Allerweltsevent degenerieren lassen. Stil und Niveau gehören seit jeher zu unserem Brauchfest, auch wenn uns die heutige Medienlandschaft sehr oft einzureden versucht, dass Halbnackte oder gar Nackte auch auf die Karnevalsbühnen gehören weil das modern und zeitgemäß sei! Das Gegenteil ist der Fall. Wie sagte unser langjähriger BDK-Präsident Heinz Wacker immer: „Karneval ist ein Fest des Verkleidens und nicht des Entkleidens!“ Das ist genauso erhaltenswerte Tradition im Karneval wie das Vermeiden von Kostümen, die einfach den guten Geschmack der überwiegenden Bevölke-rung überschreiten. Der Traditionsausschuss beobachtet und analysiert neue Entwicklungen im Karnevalsgeschehen bzw. neue Bedrohungen des Brauchtums Karneval, die sich aus dem Zeitgeist u. a. ergeben. Von Zeit zu Zeit werden dem BDK-Präsidium Vorschläge unterbreitet, darauf in geeigneter Weise zu reagieren. Ein weites Betätigungsfeld in der Traditionspflege liegt auch in der zeitlichen Einordnung unseres fastnachtlichen Volksfestes im Kalenderjahr. Die Fastnacht ist ein aus dem kirchlichen Jahreskalender stammendes Fest vor Beginn der christlichen Fastenzeit, und nur dort! Alle anderen „Events“ im Laufe des übrigen Jah-res, die die Bezeichnung „Karneval“ überwiegend für kommerzielle Zwecke missbrauchen, haben mit unserem Brauchtum Karneval nichts gemein. Auch hier sind die Hinweise und Informationen, die im Traditionsausschuss erarbeitet werden, für die traditionelle Brauchtumspflege in unserem Sinne von Bedeutung. Tradition bedeutet allerdings auch nicht, an alten und vielleicht überholten Darstellungsformen des Karnevals dogmatisch festzuhalten. Die Weiterentwicklung der herkömmlichen, dem Karneval ureigenen Präsenta-tion von Persiflagen, Kritik am Zeitgeschehen oder Tanzaufführungen gehört zu einer modernen Kulturorganisation. Im BDK ist der Traditionsausschuss damit befasst, hier Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ohne die traditionellen Grundlagen zu verfälschen oder aufzugeben. Hier sollen beispielhaft die moderne Form der Büttenrede oder der karnevalistische Tanzsport in Fortführung der althergebrachten Tänze der Marketenderinnen genannt werden. Die Arbeit des Traditionsausschusses ist kein Selbstzweck, sondern lebt von den Informationen, die von der Basis, den BDK-Verbänden und unseren Vereinen, kommen und zur Verfügung gestellt werden. Diese zu sammeln und in entsprechender Form allen interessierten Personen und Organisationen zur Verfügung zu stellen, ist Sinn der Arbeit des Ausschusses. Hier sei nur an die Herausgabe der „Garde-Fibel“ erinnert, in der im Jahr 2001 viele der bundesweit aktiven uniformierten Korpsgesellschaften zusammengefasst und auch bildlich dargestellt wurden. Damit wurde den BDK-Mitgliedsvereinen eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme untereinander geboten, die noch heute gerne genutzt wird. Ähnliche Veröffentlichungen sind im Traditionsausschuss in Vorbereitung. Seit ca. 3 Jahren werden in regelmäßigen Veröffentlichung in der „Deutschen Fastnacht“, dem offiziellen Organ des BDK, die unterschiedlichen Traditionen der Brauchtumspflege in den vielen Regionen unseres Landes beschrieben mit denen sich unser Ausschuss befasst. Dies sieht der Ausschuss als interessante und wertvolle Ergänzung zu den Veröffentlichungen des Brauchtumsausschusses an, der solche Beiträge über die alemannisch geprägte Fastnacht ebenso regelmäßig veröffentlicht. Um den unterschiedlichen Festformen, Bräuchen und Traditionen in unserem Land gerecht zu werden und diese in die Ausschussarbeit einfließen zu lassen, wird der Traditionsausschuss deshalb auch mit fach- und sachkundigen Mitgliedern aus den vielen Regionalverbänden des BDK besetzt. Seit der BDK-Haupttagung im September 2009 setzt sich der Ausschuss wie folgt zusammen: Koordinator: Rolf-Peter Hohn, 52349 Düren (Beisitzer im BDK-Präsidium; Regionalverband Düren) Vorsitzender: Reiner Spiertz, 52477 Alsdorf (Verband der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise) Weitere Mitglieder: Horst Crössmann, 55118 Mainz (IG Mittelrheinischer Karneval) Jürgen Hodemacher, 38162 Cremlingen (Karneval-Verband Niedersachsen) Peter Nordengrün, 17349 Holzendorf (Karneval-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern) Dr. Hans Schubert, 12524 Berlin (Karnevalverband Berlin-Brandenburg) Dieter Wittmann, 53227 Bonn (Regional-Verband Rhein-Sieg-Eifel) Gerne nimmt der Ausschussvorsitzende Anregungen und Informationen auf, um sie in die Ausschussarbeit einfließen zu lassen: Reiner Spiertz, Kinzweilerstraße 87, 52477 Alsdorf, email: reiner.spiertz@grenzlandkarneval.de | ||
Was ist Tradition? (Josef Dick) | nach Oben |
Tradition hat etwas mit gleich bleibenden und übernommenen Regeln, Abläufen und Zeremonien zu tun. Tradition kann eine kurze oder sehr lange Zeitspanne überbrücken. Manche sprechen schon von traditionell, wenn sie einige Jahre hintereinander einen bestimmten Turnus einhalten. Die ältesten Traditionen dürften wohl in den Religionen anzutreffen sein, gefolgt von den herrschenden Königshäusern. | |
Tradition ist in allen Gesellschafts- und Lebensformen zu Hause und so natürlich auch im Bereich des Karnevals als Brauchtum. Man muß allerdings Geschichte und Tradition differenzieren. Die Geschichte bleibt in ihrer Ursprünglichkeit unveränderlich, während man bei der Tradition manchmal Änderungen durchführen muß, das heißt alte Zöpfe abschneiden, weil Teile überholt und nicht mehr zeitgemäß sind. Dann muß man die Tradition innovativ pflegen und weitergeben, damit neue und jüngere Mitstreiter in den Vereinen lernen, warum bestimmte Zeremonien ect. durchgeführt bzw. Uniformen, Abzeichen, Fahnen ect. getragen werden. Eine erwähnenswerte Tradition ist z. B. dass die im 19. Jahrhundert gegründeten Garden und Vereine bis heute, fast alle keine weiblichen Mitglieder haben, sondern wie bei den Kelten und Germanen reine Männerbünde sind. Ein Volk, eine Gesellschaft oder ein Verein ohne Tradition lebt in einer Gegenwart ohne Vergangenheit, und in der Zukunft wird das Heute schon wieder vergessen sein. An der Tradition festhalten heißt aber, das Gewesene, was gut war, weiter aufrecht zu erhalten und dies in Schrift und Wort immer wieder neu vermitteln. Dann hat die Tradition nicht nur eine Vergangenheit, sondern sie hat eine Zukunft. | ||
Tradition des Kölner Karnevals als wegweisend | nach Oben |
1823 wurde in Köln der Karneval reformiert. Bei dieser Karnevalsreform handelte es sich keinesfalls um eine bloße lokale Besonderheit. Vielmehr wurde unmittelbar danach zuerst im Rheinland und später auch in weiten Teilen Deutschlands ein auf Vereinsbasis beruhender organisierter Karneval nach Kölner Vorbild eingeführt. Die Kölner Reformer gaben dem Fest den Helden Karneval als Mittelpunkt, der den Karneval personifizieren sollte und an dem sich das ganze Fest hochranken sollte. Man stellte dem Helden anfangs die Prinzessin Venetia zur Seite, die den Karneval des Südens verkörperte. Aus dem Helden wurde nach dem Krieg 1870/71 der Prinz. Im Gegensatz zu Prinz und Venetia sind Bauer und Jungfrau historische Figuren und eng mit der Kölner Geschichte verbunden. Die Bedeutung des Kölner Bauern liegt im Quaternionensystem begründet. Die Quaternionentheorie hat ihren Ursprung in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine Gliederung der Stände im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen“. In verschiedenen Vierergruppen wurden, streng gegliedert nach der Hierarchie, die tonangebenden Stände im Reich aufgeführt. Die unterste Stufe stellte die vier Bauernschaften des Reiches, Köln, Konstanz, Regensburg und Salzburg, dar. So wird der Kölner Bauer erstmals 1422 als Schildhalter des Reiches erwähnt. Später wird er zum Schildhalter der Stadt erklärt und trägt die Stadtschlüssel am Gürtel zum Zeichen der Rechtsgewalt über die Stadt Köln. Die Jungfrau symbolisiert die freie, unabhängige und keiner fremden Macht unterworfene Stadt Köln. Die Mauerkrone soll daran erinnern, dass die Kölner Stadtmauer stets erfolgreich verteidigt wurde. Die Kölner Jungfrau wurde erstmals 1577 erwähnt. Gemeinsam verkörpern Bauer und Jungfrau die Freiheit der Stadt Köln. Bauer und Jungfrau hielten als historische Figuren Einzug in den Karneval, zuerst noch unabhängig von einander und unabhängig vom Prinzen. Von ihrer geschichtlichen Bedeutung her sind sie nur in Köln denkbar. Prinz und Prinzessin (Venetia) sind dagegen nicht lokal gebunden. | |
Tradition im Wandel der Zeit | nach Oben |
Traditionen sind alte Überlieferungen, die sich der Zeit anpassen und längst nicht so verkrustet sind, wie oft behauptet wird. Traditionen spielen im Karneval eine große Rolle. Der Karneval lebt in den alten Traditionen jedoch in zeitgemäßer Form ohne jedem neuen Zeitgeschmack zu folgen. Antike Bereits in der Antike wurden Feste gefeiert, die Ähnlichkeiten mit unserem Karneval aufweisen. Diese Feste wurden aber stets zu Ehren eines Gottes gefeiert. Mittelalter Die erste schriftliche Erwähnung des Karnevals in Köln gibt es 1341. Der Karneval wurde damals von der jeweils tonangebenden Schicht der Gesellschaft bestimmt. Das waren im Mittelalter die Zünfte. Sie haben mit ihren Banden das äußere Bild des Karnevals bestimmt. Die Banden waren ein Zusammenschlüsse der Handwerksgesellen, die Verkleidung und kleine Theaterspiele miteinander verbanden. Barockzeit Das Leben in der Barockzeit wurde erheblich durch die Einflüsse des höfischen Lebens in Frankreich geprägt und durch die Commedia dell`arte, ein komisches Stegreiftheater, das aus Italien kam und den Karneval grundlegend veränderte. Durch das Vordringen der höfischen Kultur nach Deutschland wandelte sich auch der Karneval. Das Leben wurde jetzt vom Adel bestimmt und vom Volk in bescheidener Weise nachgeahmt. In Anlehnung an die vornehmen Feste am Hofe des Kurfürsten fanden in Köln die Redouten statt, ein Fastnachtsvergnügen der gehobenen Bürgerschicht. Franzosenzeit Mit der Französischen Revolution brach die feudale Welt zusammen. Die Jahrhunderte alte ständische Ordnung wurde mit einem Schlag abgeschafft. Der Karneval wurde jetzt bürgerlich. Durch den Wegfall der Zünfte wurde ihm der Boden entzogen und das Fest artete mehr und mehr aus. Preußen Unter der preußischen Regierung schließen sich dann in Köln einige Herren der geistigen und wirtschaftlichen Oberschicht zusammen und reformieren den Karneval im romantischen Sinne und organisieren ihn neu. Sie geben dem Fest den Helden Karneval als Mittelpunkt. Damit wollte man auch die gehobene Bürgerschicht wieder für das Fest gewinnen. Die Reform des Kölner Karnevals war dann auch ausschlaggebend für den gesamten rheinischen Karneval und verbreitete sich dann im Laufe der Zeit über ganz Deutschland. Revolution 1848 Mit dem Erstarken demokratischer Ideen im Vorfeld der Revolution von 1848 streben auch die Handwerker nach Zugang und Einfluss im Karneval. Jetzt wird der akademisch-vergeistigte und romantische Karneval bürgerlich-liberal. Kaiserzeit Mit der Reichsgründung 1871 wird aus dem bürgerlich-liberalen Karneval ein patriotischer Karneval. Mit Kaiser Wilhelm II. hält plötzlich das Militärische Einzug in den Karneval. Es entstehen die ersten uniformierten Korpsgesellschaften und auch die Marschmusik wird vom Karneval übernommen. Das Dritte Reich Mit der Machtergreifung der NSDAP ändert der Karneval sich zwangsläufig wieder. Es wird per Gesetz und Verordnung jegliche Kritik am Regime verboten. Der Karneval passt sich an, damit er nicht verboten wird. Da die Partei einen scharfen Kampf gegen die Homosexualität führt, müssen alle Tanzmariechen und die Kölner Jungfrau ab sofort von Frauen dargestellt werden. Die Tanzmariechen gab es erst seit den 30er Jahren. Sie hatten noch keine Tradition und so blieb man nach dem Krieg dabei, da die Mädchen durch Charme und Können überzeugten. Die Jungfrau wurde wieder ein Mann. Gegenwart Nach dem Krieg findet noch einmal eine grundlegende Änderung im Karneval statt. Durch Gleichberechtigung und Emanzipation kommt der Karneval nicht mehr an den Frauen vorbei. Viele Gesellschaften, vor allem die neu gegründeten, nehmen jetzt auch Frauen auf. In Köln dürfen seit den 70er Jahren auch Frauen im Rosenmontagszug mitgehen, wenn auch zuerst nur im Männerkostümen. | |
Warum kein Sommerkarneval? (Jürgen Hodemacher) | nach Oben |
Fastnacht/Karneval ist das älteste deutsche Volksbrauchtum. Die Pflege des fastnachtlichen Geschehens ist ein kulturförderndes Brauchtum, das zu erhalten sich die Karnevalisten immer bemühen. Franz Wolf, Ehrenpräsident im Bund Deutscher Karneval, schrieb einmal in einem Grußwort: „Unser Bedürfnis muß es sein, das uns überlieferte Brauchtum zu erhalten und es in eine Beziehung zur Gegenwart und Zukunft zu bringen - unter Berücksichtigung der uns überlieferten Tradition.“ Der Karneval ist eines der ältesten Feste überhaupt und sein Ursprung in den alten Religionen, vermutlich Attikas und Roms, zu suchen. Als man während der Christianisierung erfahren mußte, daß das Volk die christlichen Festtage nicht annahm sondern weiterhin ihre heidnischen Feste feierte, legte die Kirche kurzerhand mehrere ihrer Feiertage auf die Tage, an denen die Heiden ihre Feste begingen. Fastnacht ist so ein Beispiel. Dieser Begriff, der eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern einläuten soll, war früher die Fasnacht (ohne t - fasen = den Toren spielen oder faseln = gedeihen, fruchten). Bei Wolfram von Eschenbach heißt es in der mittelhochdeutschen Form um 1206 „vasnaht“, also auch ohne t, und dieses t fehlt in nahezu allen mundartlichen Formen, was beweist, daß dieser Feiertag ursprünglich mit Fasten nichts zu tun hatte. Es war die Freude der Menschen über die Überwindung des Winters und des kommenden Frühlings. Eine charakteristische Tatsache in der ersten Zeit des Christentums war die Mühseligkeit, einige heidnische Sitten auszutreiben, und vor allem solche, bei denen die öffentlichen Vergnügungen oder Schaustellungen die Hauptrolle spielten. Die Kirchenväter mußten zu bestimmten Kompromissen bereit sein, indem sie wenigstens das Datum mancher Feierlichkeiten beibehielten, deren Charakter, wenn auch bedeutend modifiziert, dennoch manche Merkmale früherer Zeiten trug. Die Kirche änderte also ihre Einstellung, die heidnischen Feste auszurotten und versuchte schon im frühen Mittelalter die heidnischen Bräuche, die sie nicht ausrotten konnte, zu absorbieren und zu verchristlichen. So lehnen sich noch heute die Fastnachtstage eng an das Kirchenjahr an und es verbietet sich, außerhalb des christlichen Kalenders Fastnacht/ Karneval zu feiern. Der Bund Deutscher Karneval e. V. mit Sitz in Köln hat bei einer Fachtagung im Dezember 2003 für die von ihm vertretenen knapp 5000 Vereine folgendes festgeschrieben: „Mit der satzungsgemäßen Zielsetzung des Bundes Deutscher Karneval ist der Sommerkarneval unvereinbar. Daneben muß der Karneval im Bereich des BDK auch seine kalendarisch umschriebene Festzeit strengstens einhalten. Dies bedeutet, Brauchveranstaltungen nur zwischen dem 3. 11. und dem Tag vor dem 1. Advent (d. h. um den 11.11.) und vom 1. 1. bis Aschermittwoch zu veranstalten oder zu besuchen. Ausnahmen können aus landsmannschaftlichen Bedingungen, vom Präsidenten des zuständigen Regionalverbandes begründet, genehmigt werden.“ Also warten die Karnevalisten schön sittsam den Beginn im November ab, um dann nach einer längeren Pause, Anfang des neuen Jahres, zu Hochtouren aufzulaufen. | |
Erklärung einzelner Begriffe | nach Oben |
Elf Die Zahl Elf ist das Symbol der Narrheit. Die Begründungen dafür sind unterschiedlich. Als Zeichen der Gleichheit aller Narren stellt sie die Eins neben die Eins. Die Elf hat im Rheinland, das 1794 von den Franzosen besetzt wurde, auch einen politischen Bezug. Elf steht hier für die Abkürzung der Ideale der Französischen Revolution; E = Egalité, L = Liberté und F = Fraternité (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit) Andere Fastnachtsforscher betonen den religiösen Symbolgehalt der Elf. Den Christen gilt sie als „Zahl der Sünde“. Sie überschreitet das Zehnergesetz der Gebote und erreicht die „heilige Zwölf“ nicht. Durch die Akzeptanz des Aschermittwochs überwindet der Narr jedoch letztlich die Sünde. Der 11. im 11. Der Karneval beginnt im November, dem Monat der Besinnung auf Tod und Vergänglichkeit. Das klingt für ein Freudenfest unlogisch, geht jedoch zurück auf die gefühlsbedingte und zeitliche Abfolge griechischer, römischer und germanischer Traditionen. Es fehlt dem 11. im 11. auch nicht an einer geschichtlichen Grundlage. In der gallischen Kirche bereitete der Advent nicht auf Weihnachten sondern auf das damalige Hauptfest Epiphanie (6. Januar) vor. Der Advent war eine Fastenzeit, die am Martinstag (11. November) begann und 40 Tage dauerte. Die Feier des 11. im 11. entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts als feierliche Eröffnung der der beginnenden Karnevalssession. Nach den Eröffnungsfeiern, um den 11. im 11. herum, ruht der Karneval wieder und lebt erst ab dem 1. Januar wieder auf. Korpsgesellschaften und Mariechen. Es gibt Korpsgesellschaften und Komiteegesellschaften im Karneval. Die Komiteegesellschaften tragen Frack oder Litewka. Korpsgesellschaften sind uniformierter Gesellschaften mit Tanzkorps, überwiegend mit Reiterkorps und mit Musikzug. Viele Korpsgesellschaften entstanden nach der Reichsgründung 1871, weil der Kaiser das Militärische liebte. Sie traten in historischen oder bunten Phantasieuniformen in den Karneval und haben das Bild des Karnevals stark geprägt. Bis heute entstehen immer noch uniformierte Karnevalsgesellschaften in ganz Deutschland. Mariechen ist ein typisch kölscher Begriff. Er wurde zum Sammelbegriff für alle Mädchen, die Mitglied einer Tanzgruppe sind. Wirkliche Mariechen sind allerdings nur die Tänzerinnen der Funken. Die Garden haben eine Regimentstochter oder Marketenderin. Die Mariechen sind eine Persiflage auf die Marketenderinnen, die früher die Soldaten- und Söldnerheere begleiteten und ihnen Schnaps und Lebensmittel für den täglichen Bedarf verkauften. Darum tragen die „Mariechen“ auch das Fässchen am Gürtel. Rosenmontag Rosenmontag heißt auf kölsch „Rusemondach“ (Ruse = Rosen) und erinnert an den Sonntag Lätare, den Rosensonntag, der in Köln seit dem 16. Jahrhundert als „Halbfasten“ gefeiert wurde. In Rom weihte der Papst am Sonntag Lätare eine mit Moschus und Balsam gefüllte Rose, die in einer Prozession durch die Straßen getragen wurde. An diesem Tag, der Mitte der Fastenzeit, lebte die Erinnerung an den vergangenen Karneval noch einmal auf. Es gab sogar spezielle, für diesen Tag geschriebene Lieder, die das bezeugen. Als 1823 der Karneval reformiert wurde, hat man das Lätarefest erst einmal übernommen und bis 1832 beibehalten. Danach trat der Name Rosenmontag als Mittfastnachtstag in den Sprachgebrauch, denn die Hauptkarnevalstage waren Sonntag, Montag und Dienstag. Der Ausdruck „Veilchendienstag“ hat keinen besonderen Hintergrund. Er entstand im Volksmund als Pendant zum Rosenmontag. Alaaf Alaaf kommt aus Köln und ist ein Ausruf, sowie ein Lob- und Trinkspruch und heißt soviel wie „Hoch“ oder „Hurra“. Entstanden ist es aus dem kölschen „all af“, was soviel heißt wie allen voran. Alaaf kann auf Orte, Personen und Gesellschaften ausgerufen werden. Es ist seit 1733 in Köln nachweisbar. Früher hieß es Alaaf Cöllen heute heißt es Kölle Alaaf. Es heißt soviel wie alles lobe Köln, und damit ist Kölle Alaaf nicht an den Karneval gebunden. Helau Helau wird urkundlich 1833 erstmals erwähnt. Über die Herkunft des Wortes gibt es unterschiedliche Deutungen. es kommt von „Hallo“es kommt von „hol über“, mit dem Spätheimkehrer den Fährmann riefen. Am Niederrhein soll helau einmal ein Hirtenruf gewesen sein. „Heel“ grüßten nachweislich schon die Germanen. Eine andere Deutung ist, dass es von „Heil Adolf“ kommt. Gemeint ist hier Adolf von Cleve, der im 14. Jahrhundert eine Geckengesellschaft gründete (Aus der Festschrift 2001 der Großen Düsseldorfer KG) Mainz hat 1935 nach einer gemeinsamen Karnevalsfeier mit den Düsseldorfern den Ruf „Helau“ übernommen. Bis dahin riefen die Mainzer „Hoch“. Traditionscorps Traditionscorps sind Vereine, die ihr Selbstverständnis aus dem Tragen von historischen Uniformen beziehen. Diese Uniformen müssen sich auf konkrete Uniformen beziehen, die von Beginn des Vereinsbestehens an unverändert und nahtlos getragen werden. Dazu gehören auch das Durchführen von historischen, militärischen Zeremoniellen und die Existenz entsprechender Vereinsstrukturen. Jedes Traditionscorps ist demnach ein Unikat. Die Bezeichnung oder Titel „Traditionscorps“ kann durch niemanden verliehen werden und ergibt sich ausschließlich durch die Vereinsentwicklung. Aus diesen Gründen hat der BDK darauf verzichtet, diesbezügliche Regelungen aufzustellen. | |